Interview geben als Jäger: Print, Radio, TV souverän meistern
Der Anruf kommt meistens ungelegen: Eine Redaktion möchte ein Interview – zur Drückjagd am Wochenende, zum Wolf, zur Kitzrettung. Wer jetzt einfach drauflosredet, ärgert sich oft über das Ergebnis. Wer dagegen drei Dinge klärt, vorbereitet und einen Grundsatz beherzigt, gewinnt mit jedem Interview an Profil.
Aufbau-Seminar
Interviews trainiert man am besten vor der Kamera: das Interviewtraining mit Video-Auswertung – ein eigener Seminartag. Zum Interviewtraining →
Vor der Zusage: die Kerndaten klären
Kein seriöser Journalist nimmt es übel, wenn Sie um zwanzig Minuten Vorbereitungszeit und einen Rückruf bitten. Klären Sie vorher – am besten schriftlich:
- Wer fragt an, für welches Medium und welches Format?
- Was wird genau benötigt – Zitat, Hintergrund, Interview, Dreh im Revier?
- Was ist das eigentliche Thema des Beitrags – und ist kritische Berichterstattung zu erwarten?
Das sind drei der zwölf Klärungsfragen – die vollständige Checkliste, von der Deadline über Ihre Rolle bis zur Zitatfreigabe, gehört zum Teilnehmer-Material des Interviewtrainings.
Und intern: Stimmen Sie sich ab, bevor Sie sprechen. Wer für die KJV spricht, sollte das mit dem Vorstand geklärt haben – eine funktionierende Abstimmungskette verhindert, dass zwei Funktionsträger Widersprüchliches sagen.
Der wichtigste Grundsatz: Die Antwort legitimiert die Frage
Aus einem realen Fall: Interview mit einer Regionalzeitung zu Klimawandel, Waldumbau und Jagd. Die Lektion daraus gilt für jedes Gespräch – die Antwort wird durch Sie gestaltet, nicht durch die Frage. Sie müssen keine unterstellende Prämisse übernehmen („Warum schießen Jäger zu wenig?"), sondern dürfen umbauen: „Die eigentliche Frage ist, wie Wald und Wild gemeinsam eine Zukunft haben – und da leisten wir Folgendes…" Wer nur reagiert, läuft dem Frame des Fragestellers hinterher. Wer seine zwei, drei Kernbotschaften vorbereitet hat, bringt sie unter – egal, was gefragt wird.
Zweite Lektion aus der Praxis, diesmal von einem Kitzrettungs-Interview: Einfache Antworten auf komplexe Fragen müssen vorbereitet und eingeübt sein. „Warum mähen die Landwirte nicht einfach später?" lässt sich nicht improvisiert in zwei Sätzen beantworten – wohl aber, wenn man die Zwei-Satz-Version vorher formuliert hat.
Die Regeln je Mediengattung
Print & Online
Geschriebene Sprache: Zitate knackig halten und so formulieren, dass sie sich nicht sinnentstellend kürzen lassen. Online dürfen Sie mehr anbieten – zusätzliche Bilder, Links, Material; Print braucht hochauflösende Fotos.
Radio
Gesprochene Sprache, Antworten „on point". Live heißt: präzise, klar, überlegt – Sie haben einen Versuch. Aufgezeichnet heißt: Sie dürfen nachdenken und einen Satz neu ansetzen, das wird geschnitten.
Podcast
Dialog statt Statement: Bereiten Sie sich auf den Gesprächspartner vor, lassen Sie sich führen und schaffen Sie Anknüpfungspunkte – Podcasts leben von Gespräch, nicht von Pressesprech.
Fernsehen
Das Bild spricht mit: Kleidung dem Anlass entsprechend (im Revier gern jagdlich, aber gepflegt – kein Tarnanzug vor der Kamera), ruhige Hände, kein Herumwackeln. Blick zum Interviewer, nicht in die Linse, sofern nichts anderes vereinbart ist.
Wenn das Thema heikel ist
Bei kritischer Berichterstattung – Jagdunfall, Beschwerden, kippende Stimmung – gelten zusätzliche Regeln: nichts beschönigen, nichts spekulieren, keine Schuldzuweisungen. Im Zweifel erst beraten lassen, dann antworten. Mehr dazu im Ratgeber Shitstorm im Revier: die ersten 24 Stunden.
Interviews trainieren – bevor es ernst wird
Interviewtraining mit Video-Auswertung ist Kernbestandteil des Tagesworkshops „Presse-Intensiv" für KJVs – mit echten Szenarien aus Ihrem Revier.
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